ZUM THEMA: GEFLÜGELPEST

 

Nachdem in NRW der erste Fall der Geflügelpest aufgetreten ist, hat die  Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn bei der zuständigen EU-Behörde beantragt, dass Zoos ihre seltenen gefährdeten Arten –  wie in den Niederlanden – impfen dürfen. Die EU-Behörde hat diesem Antrag inzwischen zugestimmt und die Impfaktion ist angelaufen.

Mit einem Brief vom 13.5. hat sich die WPA-Deutschland an Frau Höhn gewandt mit der Bitte, die Impferlaubnis auch für private Halter seltener Arten zu beantragen.  

Die überwiegende Anzahl seltener Hühnervögel dürfte sich in der Obhut privater Halter befinden, die mit ihrer Haltung und Vermehrung und mit der Beteiligung an Internationalen Zuchtbüchern und EEPs maßgeblich dazu beitragen, diesen wertvollen Genbestand zu erhalten. Sie leisten damit wertvolle ehrenamtliche Naturschutzarbeit. 

Nach der Auskunft von Dr. Burkard Sudhoff, Tierarzt und Geflügelspezialist aus Mönchengladbach, gibt es einen gut verträglichen und wirksamen Impfstoff gegen die Klassische Geflügelpest. Allerdings sei dieser Impfstoff den Tierärzten nur mit ausdrücklichem Einverständnis der zuständigen Behörde zugänglich. Dieses Einverständnis gibt es bisher nur für Zootiere. 

Allerdings biete die Impfung gegen die Klassische Geflügelpest ein großes Problem: Geimpfte Tiere können nicht mehr von infizierten Tieren unterschieden werden, da in beiden Fällen Antikörper im Blut nachgewiesen werden. Falls ein geimpftes Tier sich mit der Geflügelpest infiziert, erkrankt es zwar selber nicht, trägt den Virus aber in sich und kann daher zum versteckten Infektionsherd für andere, nicht geimpfte Tiere werden. 

Die Erfahrungen in den Niederlanden und Belgien und auch der deutsche Fall haben gezeigt, dass nur die industrielle Hühnerhaltung von der Geflügelpest betroffen wurde.. Diese Betriebe halten ihre Tiere in überdachten Hallen, sodass eine Infektion durch frei fliegende Wildvögel  nahezu ausgeschlossen ist. Vielmehr wurde die Krankheit überwiegend über Futtermitteltransporte und andere menschliche Kontakte (Tierärzte, Besucher) verbreitet. 

Demgegenüber scheinen die Verantwortlichen in den Behörden immer noch vom klassischen Modell der Seuchenverbreitung auszugehen, wonach sich die Krankheit von einem Seuchenherd aus ringförmig durch frei fliegende Vögel ausbreite. Sie versuchen, durch Abschlachten aller  möglichen Virusträger im Umkreis eine Schutzzone zu errichten. 

Abgesehen davon, dass dieses Vorgehen ethisch zweifelhaft und in der Sache ungeeignet ist (in den Fahrzeugen der Futtermittellieferanten oder des Amtstierarztes ist das Virus bereits sicher auf dem Weg zum nächsten Mastbetrieb), führt es zu absurden Situationen: So wurden in Holland die seltenen Entenarten eines Wassergeflügelhalters getötet, während die auf denselben Teichen schwimmenden wilden Stockenten unbehelligt blieben. Am Niederrhein besteht ein absolutes Flugverbot für Brieftauben, während die in jeder Stadt zur Plage gewordenen Stadttauben weiter ihre Runden drehen.... .